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Skript VerbandsmanagementI. Grundlagen der Vereinsarbeit
II. notwendige, sinnvolle und wichtige Tätigkeiten und Aufgaben im Verein
III. weitere Fragestellungen und mögliche Diskussionsthemen (ohne Ausarbeitung)
Alles umsonst?! – was Vereine können, dürfen und bewirken / ihre Bedeutung für Staat, Gesellschaft und Entwicklung · Vereine übernehmen ehrenamtlich eine Vielzahl sozialer, kultureller, sportlicher, politischer und gesellschaftlicher Aufgaben, die sonst entweder gar nicht oder aber mit deutlich höherem finanziellen und bürokratischen Aufwand seitens des Staates geleistet werden müssten. · Vereine stiften gesellschaftlichen und sozialen Nutzen für Staat und Menschen. · Vereine wirken an der politischen Willensbildung mit und stiften in hohem Maße Bewusstsein für eine breite Themenpalette. · Ehrenamtliche Organisationen bringen Ideen, Konzepte und Initiativen in den öffentlichen Meinungsbildungsprozess ein und sind somit einer der Motoren für Fortschritt und Wandel in der Gesellschaft. · Auch wenn das Vereinswesen bisweilen als etwas verstaubt angesehen wird, so sind Vereine doch Teil des demokratischen Staatsgebildes und Abbild demokratischer Verhaltensweisen – dieser Rolle müssen sich Vereine bewusst sein oder werden, um Ihrer damit verbundenen Vorbildfunktion gerecht zu werden. · Vereine sind nicht der verlängerte Arm des Staates im Sinne eines Erfüllungsgehilfen, sondern freiwillige Zusammenschlüsse der Bürgerinnen und Bürger. Wenn Sie teilweise auch so genannte Pflichtaufgaben übernehmen, so ist dies ein Akt bürgerschaftlichen Engagements, welches seitens des Staates gar nicht hoch genug gewürdigt ein eingeschätzt werden kann. In diesem Sinne muss der Staat für die Vereine da sein und nicht die Vereine für den Staat. · Vereine haben in der Regel eine höhere Effektivität und Effizienz als staatliche Ebenen und Organisationen, da sie in der Regel mit weniger bürokratischen Strukturen arbeiten. Insofern ist jeder staatlicher Euro für die Unterstützung von Vereinen sinnvoll angelegt und bringt sogar eine sehr hohe Rendite.
Vereinsarbeit als Management- und Führungsaufgabe erkennen · Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung der Vereine muss Vereinsarbeit auch als Management- und Führungsaufgabe erkannt werden. · Die Prinzipien guter Vereinsführung entsprechen daher in weiten Teilen den Prinzipien guter Unternehmensführung – das gilt insbesondere für den Umgang mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, den Umgang mit finanziellen, logistischen und zeitlichen Ressourcen und das anschließende Controlling und Qualitätsmanagement. · Gerade Vereinsvorstände werden als Führungspersönlichkeiten wahrgenommen und haben damit eine gewisse Vorbildfunktion – dieser gilt es in allen internen und öffentlichen Handlungen und Aktionen gerecht zu werden. · Insbesondere bei der Außenwahrnehmung des Vereins, die in der Regel durch den Vorstand geschieht, muss die Sache (der Vereinszweck) im Vordergrund stehen, nicht die eigenen (sicher auch legitimen) Interessen. · Führung heißt auch, delegieren und teilen können. Vereine sind (zumindest in aller Regel) keine „One-Man-Show“. Teamorientierung und Aufgabenteilung heißt die Devise. Führung heißt aber auch, der eigenen Verantwortung gerecht zu werden und diese zu erkennen. Jedes Vorstandsmitglied muss in seinem Bereich Führung übernehmen aber auch andere Bereiche begleiten. · Der Vorsitzende ist nicht der, der alles macht, aber der, der alles im Blick behalten muss. Dies gilt nicht erst seit der Verschärfung der Haftungstatbestände im BGB.
Satzung, Geschäftsordnung und Statuten – die eigenen Gesetze des Vereins · Satzungen, Geschäftsordnungen und Statuten sind keine Selbstzweck, sondern sollen im Zweifel der Bewertung von Sachverhalten dienen oder im Streitfall die korrekte Lösung finden helfen. · Satzungen u. ä. sollten stets das letzte Mittel der Argumentationskette sein, nicht der Auslöser, es ist besser diese Regelwerke als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems zu sehen. · Bei der Erstellung der Satzung sind zahlreiche rechtliche und formale Dinge zu beachten (z. B. Gemeinnützigkeit, Vorstand, Mitgliedsrechte und –pflichten, …) – das heißt aber nicht zwingend, dass auch jede auch noch so absurde Möglichkeit und Eventualität auch geregelt und verregelt sein muss. · Die Komplexität der Satzung steht oftmals im krassen Missverhältnis zur Produktivität des Vereins. · Es gibt keine perfekte Satzung – vielmehr muss diese mit dem Verein, seiner Führung und seinen Mitgliedern wachsen und sich den Gegebenheiten anpassen. · Aber: Wer sich an die Regeln des Vereins hält, übernimmt auch damit eine Führungs- und Vorbildfunktion – insbesondere Gemeinschaft braucht Regeln. Gerade deshalb sollten Satzungen primär allgemein verbindlich und grundsätzlich sein und nicht überreguliert. · Satzungen sollten soviel regeln wie nötig aber so wenig wie möglich. · Satzungen sind (neben den Akteuren) die Visitenkarte des Vereins. Besondere Aufmerksamkeit sollte daher an den Stellen gegeben sein, bei denen es um die Finanzen und deren Verwendung geht. · Man sollte sich immer die Frage stellen, ob es wirklich ein eingetragener Verein sein muss oder ob nicht auch ein loser Zusammenschluss genügt. Hier könnte sich mancher Verein eine Menge bürokratischen Aufwand ersparen.
staatliche und kommunale Förderung – ob ich sie brauche, wann sie sich lohnt und wo ich sie bekomme · Grundsätzlich ist die Arbeit von Vereinen, wo diese dem Gemeinwohl dient, förderungswürdig und unterstützenswert – das wird auch in den Kommunen und den staatlichen Stellen so gesehen. Oft steht aber dem Anspruch die Wirklichkeit gegenüber. · Es gibt zwei Arten der öffentlichen Förderung: institutionelle Förderung und projektbezogene Förderung Institutionelle Förderung wird für den eigentlichen Geschäftsbetrieb, also für Büroräume und ggf. Personal und zur langfristigen Erledigung von Aufgaben gewährt. In der Regel wird diese Förderung mit einem umfangreichen Rechte- und Pflichtenwerk (Vertrag) unterlegt und bindet den Verein nachhaltig. Projektförderung dient einer kurz- bis mittelfristigen Unterstützung des Vereins im Rahmen eines bestimmten Programms oder Modellversuchs. Es bindet den Verein nur in Bezug auf das Projekt ist aber naturgemäß nicht auf Dauer angelegt und deshalb schwer plan- und kalkulierbar. · Öffentliche Gelder gehen immer mit entsprechender Bürokratie (Anträge, Verwendungsnachweise, Sach- und Zwischenberichte, usw.) einher. Deshalb muss man sich immer fragen, ob man diese wirklich in Anspruch nehmen will und kann. Oft sind nur starke und große Vereine in der Lage, diese Mittel überhaupt in Anspruch zu nehmen und den damit verbundenen Auflagen gerecht zu werden. Insofern gibt es eine grundsätzliche Ungerechtigkeit im System. · Öffentliche Förderung lohnt sich besonders dann, wenn man im Vorfeld genau weiß, dass man den entsprechenden Fördervoraussetzungen inhaltlich und logistisch genügt und gleichzeitig keine Aussicht auf private Mittel hat. · Jeder Verein bzw. jede Vereinsführung muss sich genau überlegen, wie sie ihre Arbeit finanzieren möchte und wie viel Entscheidungsfreiheit sie beanspruchen kann und will, wenn es um öffentliche Gelder geht. Die Gestaltungsmöglichkeiten im Umgang mit den Mitteln und die Art der damit verbundenen Aufgabenerfüllung sind meist strikt geregelt und engen Handlungsspielräume der Führung deutlich ein. Wer dies vermeiden möchte, muss zwangsläufig auf private Mittel zurückgreifen. · Prinzipiell findet man auf jeder kommunalen und staatlichen Ebene entsprechende Fördermöglichkeiten und –töpfe. Welche die richtigen sind, hängt ausschließlich vom Zweck und den Vorhaben des Vereins bzw. der entsprechenden Zuständigkeiten der Bewilligungsebenen ab. · In Zukunft werden aufgrund der Lage der öffentlichen Haushalte die privaten Mittel immer wichtiger. Die „öffentliche Hand“ wird sich immer mehr aus der Förderung insbesondere der so genannten freiwilligen Leistungen zurückziehen. Die Zukunft der Vereine wird daher entscheidend davon abhängen, wie viele private Mittel sie (zusätzlich) akquirieren können. Auch in diesem Punkt liegt eine gewisse Ungerechtigkeit, da es naturgemäß auch Inhalte und Vereinsziele gibt, die aus Sicht privater Zuwender eher ungeeignet sind.
Ohne Moos nix los – Fundraising, Spendenakquisition, Sponsoring und Förderung · Über die Bedeutung öffentlicher und privater Mittel habe ich bereits einige Ausführungen gemacht; auch zu den damit verbundenen Schwierigkeiten. Im Folgenden möchte ich auf die privaten Mittel eingehen und was es bei deren Akquise zu beachten gilt: · Professionelles Fundraising kann man sowohl bei entsprechenden Agenturen – also Unternehmen - einkaufen aber auch selber praktizieren. Voraussetzungen für erfolgreiches Fundraising ist die Beantwortung folgender Fragen: - Welchen Nutzen / Sinn stiftet mein Verein? Welches Potenzial steckt in meinem Verein? - Für welche Zielgruppe ist dieser Sinn / Nutzen relevant? - Wer könnte aus eigenem oder übergeordnetem Interesse an diesem Sinn / Nutzen partizipieren wollen / können? - Wie, wo, wann und mit welchen Mitteln erreiche ich diese Personen oder Unternehmen? - Was kostet mich mein Fundraising und dessen Umsetzung? Welche Einnahmen erwarte ich? (Kosten-Nutzen-Analyse) - Was kann ich meinerseits bieten (Öffentlichkeit / Mehrwerte und Vorteile / Publizität / …) - Welche möglichen gewollten und ungewollten Verpflichtungen gehe ich ein bzw. bin ich bereit einzugehen? - Planung personeller und logistischer Ressourcen · Professionelle Agenturen arbeiten in der Regel auf Honorarbasis oder auf Provision (10 – 25 % gelten hier als Richtwerte). Dafür leisten Sie aber auch die eigentliche Arbeit und stellen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung. Diese Lösung bietet sich aber nur an, wenn die eigene ehrenamtliche und hauptamtliche Basis partout nicht ausreicht. Denn: wer überzeugt ist, von dem was er tut, wird höhere Erfolge erzielen können als ein externer Anbieter. · Grundlage erfolgreicher Spendenakquise sind die eigenen Mitglieder, denn wer ist schon überzeugter als die „eigenen Leute“. Insofern sind diese aber auch aufgerufen selbst einen Beitrag zum Gelingen der Vereinsarbeit beizutragen. Dazu gehören auch das regelmäßige Zahlen der Mitgliedsbeiträge und die Kontrolle dieser Zahlungen durch den Vorstand. Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit gegenüber potentiellen externen Spendern. · Die eigenen Mitglieder sind auch Multiplikatoren – sie stehen und werben für den Verein. Das Einbringen ihrer Netzwerke, Potenziale und Möglichkeiten erhöht den Erfolg jeder Spenden- oder Fundraisingaktion. Damit sie dies aber tun, müssen die Mitglieder hinter dem Vorstand und den Inhalten des Vereins stehen. Auch dies ist letztlich eine Führungsfrage. · Jeder Verein hat ungeahnte Potentiale durch Persönlichkeiten in den Reihen der Mitglieder. Diese gilt es zu entdecken und zu pflegen. Diese Aufgabe ist nicht nur eine der Mitgliederbindung und –betreuung, sondern hat auch finanzielle Auswirkungen. · Sponsoring ist heutzutage nichts Negatives mehr. Lassen Sie sich ruhig einen Saal, technische Ausstattungen, das Buffet oder die Einladungen von Dritten finanzieren. Hier gelten die gleichen Regeln wie beim Fundraising. Allerdings wird hier die Frage des Images des Vereins noch stärker gestellt werden als beim Fundraising, da es beim Sponsoring in der Regel um eine gemeinsames Auftreten / gemeinsames Wahrnehmen geht.
Tue Gutes und rede darüber – effektive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit · Zur Öffentlichkeitsarbeit gehören alle Printprodukte des Vereins (Folder, Broschüren, Visitenkarten, Briefpapier, Einladungen usw.), der Internetauftritt, ohne den heute gar nichts mehr geht und alle anderen Dingen, die der Verein nach außen gibt. Prinzipiell gelten auch hier grundsätzliche ähnliche Voraussetzungen wie bei einem Unternehmen: - gutes Logo mit hohem Wiedererkennungswert - durchgängiges CI - professionelles Design - gute Lesbarkeit und Interaktivität - Zielgruppenrelevanz · Besonders wichtig im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ist die Authentizität des Vereinszwecks, der Vereinsführung und der entsprechenden Außendarstellung. Die Relationen müssen stimmen – die Glaubwürdigkeit gewährleistet sein. · Für eine gute Pressearbeit muss der Vereinsvorstand die Presselandschaft kennen (lokale und regionale Tageszeitungen, lokaler und regionaler Rundfunk, Anzeigenblättchen, Veranstaltungskalender, Onlineportale, relevante Publikationen anderer Vereine, …) Bei überregionalem Engagement des Vereins ist natürlich auch die überörtliche Medienlandschaft zu beachten. · Die Presselandschaft kennen heißt aber nicht nur wissen, welche Organe es gibt, sondern vor allem wie diese funktionieren. So sind z. B. folgende Punkte interessant: - Welchen politischen und inhaltlichen Schwerpunkt haben die einzelnen Organe? - Welcher Redakteur ist schwerpunktmäßig für die Themen des Vereins zuständig? - Wann und in welchem Turnus erscheinen die Organe? Wann ist der jeweilige Redaktionsschluss? - Welche Auflagen und Zielgruppen erreichen die einzelnen Organe? - In welcher Form werden meine Informationen erwünscht? (in der Regel per Mail) · Neben dem Wissen über die Organe ist auch deren Betreuung wichtig. So sollten neu gewählte Vorstände zumindest einen Antrittsbesuch in der Redaktion machen und sich ab und zu auch mal „außerhalb der Reihe“ melden. Auch nachhaken bei Nichterscheinen einer Pressemitteilung ist sinnvoll. Wenn sie dann trotzdem nicht erscheint, kann man doch zumindest etwas für das nächste Mal aus diesem Gespräch lernen bzw. mitnehmen. · Zum Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gibt es auch zahlreiche gute Seminare - unter anderem bei den politischen Stiftungen und beim Jugendhof Vlotho.
Warum brauchen wir Mitglieder? – Konzepte zur Gewinnung, Einbindung und Information der Mitglieder · Unser gesellschaftliches System setzt bei den meisten Entscheidungen (leider) eher auf Quantität als auf Qualität. So ist oft die politische Frage (z. B. bei Zuschüssen und Förderungen) zunächst „Wie viele Personen sind betroffen?“ oder „Wie viele Mitglieder hat der Verein?“ anstatt der Frage „Was leistet der Verein?“ Vor diesem Hintergrund erscheint es zunächst sinnvoll, möglichst viele Mitglieder zu haben. · Um erfolgreich Mitglieder zu gewinnen benötigt ein Verein aus meiner Sicht folgendes: - gute und wahrnehmbare Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Erstkontakt) - Integrität und Glaubwürdigkeit bezüglich der Ziele - persönliche Betroffenheit der Mitglieder in Bezug auf die Sinnstiftung und Tätigkeit des Vereins („Markt“) und / oder - Leistungen und Mehrwerte für die Mitglieder · Grundsätzlich ist aber festzustellen, dass die Bereitschaft Vereinen beizutreten eher rückläufig ist. Noch stärker ist der Trend, sich nicht mehr in Vereinen zu engagieren – also in der Regel Positionen und Verantwortung zu übernehmen. Lockere Zusammenschlüsse (Projektgruppen, Arbeitskreise) und Möglichkeiten auch kurzfristigen Engagements (einzelne Aktivitäten) sind daher sinnvoller und erlauben überdies, auch Externe dazu einzuladen. Auch Schnuppermitglied-schaften oder passgenaue Vorfeldorganisationen können ein Mittel der Mitgliederansprache und Mitgliedergewinnung sein. · Mitglieder möchten für ihren Beitrag auch eine gewisse Leistung sehen, die sich normalerweise in Form von Informationen widerspiegelt. Folgende Möglichkeiten bieten sich an: - Internetseite mit internem Bereich - E-Mail-Newsletter - regelmäßige Rundschreiben und Einladungen - gelegentliche Anrufe aus gegebenen Anlass - Vereinspublikationen / Mitgliederzeitungen · Mitglieder möchten auch das Gefühl erhalten, dass Ihre Mitgliedschaft sinnvoll und richtig ist. Sie wollen gebraucht werden und gelegentlich gelobt werden bzw. benötigen den Dank für ihre Mitgliedschaft und ggf. ihre ehrenamtliche Arbeit. Insofern sind Anerkennungen in Form von Worten und Taten aber auch in Form Ehrungen sinnvoll und notwendig. · Verkrustete Vorstandsstrukturen tragen langfristig auch zur Unzufriedenheit bei, wenn auch unmerklich und schleichend. Auch wenn man davon ausgeht, dass ein Mitglied keine Verantwortung übernehmen möchte, sollte man es doch ab und zu einmal fragen, ob er sich nicht doch mehr Engagement oder gar ein Vorstandsamt vorstellen kann. Das könnte auch helfen, neue Ideen in die Vorstandsarbeit zu bekommen. Im Falle einer Ablehnung war es doch zumindest eine Art Anerkennung und Ehrung und verhindert spätere Kritik und Unzufriedenheit. · Neue Mitglieder kommen eher von Innen – also aus dem eigenen Netzwerk des Vereins – als von Außen. Es ist einfacher, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Angehörige usw. bereits vorhandener Mitglieder zu gewinnen als externe Personen. Das heißt nicht, dass man deshalb keine aktive Mitgliederwerbung betreiben sollte, aber ein Verein sollte auch die eigenen Ressourcen nutzen. Hier gilt der gleiche Grundsatz wie bei der Spendenakquise: Keiner ist überzeugender als die eigenen Mitglieder.
Basisdemokratie vs. Hierarchien – die optimale Organisation meines Vereins · Die Frage der optimalen Organisationsform eines Vereins hängt vor allem von seiner Aufgabenstellung und seinen Arbeitsmethoden ab. So sind beispielsweise Greenpeace und Amnesty International sehr straff geführte Organisationen ohne große Mitwirkungsmöglichkeiten für einzelne Mitglieder, dennoch kann man diese Verbände wohl kaum als unerfolgreich oder gar ineffizient bezeichnen. · Grundsätzlich ist es auch aus den oben genannten Gründen sinnvoll, möglichst viel Basisbeteiligung und Mitsprache der Mitglieder zu fördern und zu gewähren, um einerseits die innerverbandliche Zufriedenheit zu steigern und andererseits die damit verbundenen Effekte zu nutzen (s.o.). · Verbände mit überwiegend übergeordneten, überregionalen oder internationalen politischen Zielen, können bisweilen ihre Mitglieder überwiegend als Geldgeber betrachten. Hierzu ist allerdings eine hohe persönliche Betroffenheit und Einsicht in die Notwendigkeit durch die Mitglieder erforderlich bei gleichzeitigem Wunsch, nicht selbst aktiv werden zu wollen. Lobbyverbände sind hierfür oft ein gutes Beispiel. · Grundsätzlich gilt: Weniger Hierarchien sind besser, weil die Mitglieder besser eingebunden werden können und ein intensiveres „Wir-Gefühl“ entstehen kann. Dennoch sind Vereine auch juristische Personen mit allen rechtlichen Konsequenzen – teilweise mit hohem wirtschaftlichem Engagement und Risiko – und können daher auf konkrete Verantwortlichkeiten und somit Hierarchien nicht verzichten. Anstelle der Hierarchien müssen aber konkret definierte Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten und –rechte der Mitglieder geschaffen werden, da sonst auch die Gefahr besteht, dass sich niemand verantwortlich fühlt und am Ende nichts geschieht. Hierarchien (Vorstandsämter, Positionen) schaffen Verantwortung und Verpflichtung. · Im Allgemeinen müssen die Hierarchieebenen der Arbeitsweise und Größe des Vereins entsprechen und eine möglichst breite Beteiligung zulassen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind meist weniger Hierarchien sinnvoll. Auf die Größe der einzelnen Einheiten muss natürlich auch geachtet werden, um eine gewisse Nähe zu den Mitgliedern zu erhalten.
· Mit purer Basisdemokratie sind große Risiken verbunden, die man bewusst eingehen sollte. Konflikte werden ohne hier ohne Schlichtungs- und Entscheidungsinstanz ausgetragen. Im Streit liegen aber auch immer Chancen der Weiterentwicklung. Insofern muss in basisdemokratischen Strukturen stets auf eine ausgeprägte und positive Streitkultur geachtet werden. Dies gelingt zugegebenermaßen eher selten.
Vereinszweck contra Selbstzweck – das Wesentliche erkennen, Prozesse innerhalb und außerhalb des Vereins steuern und beeinflussen · Nicht jede neue Aufgabe, die ein Verein übernehmen kann ist auch sinnvoll zu übernehmen. Wie jedes Unternehmen braucht auch jeder Verein gewisse Kernkompetenzen. Neue Aufgabe sollten daher stets einem bestimmten Zweck dienen (z. B. der Erschließung neuer Finanzierungsquellen) oder aber durch die Mitglieder initiiert und getragen werden. Neue Aufgaben sind oft auch Ausdruck der Profilierungswünsche einzelner, wobei dies nicht zwingend negativ gesehen werden muss. · Tätigkeiten innerhalb des Vereins sollten immer dem Zwecke des Vereins dienen, wobei dies auch manchmal mittelbar zu sehen ist. So ist ein Vereinsfest sicher nicht grundsätzlich zweckdienlich, kann aber der Öffentlichkeitsarbeit, der Steigerung der Mitarbeiter- und Mitgliedermotivation und dem Fundraising dienen. · Ein Verein bzw. seine Führung ist immer auch ein Stück weit abhängig von der Umwelt, von politischen und gesellschaftlichen Prozessen und Entscheidungen, die seine Situation beeinflussen können. Insofern ist die Beobachtung der Umwelt ein wesentlicher Bestandteil jeder Vereins- und Vorstandsarbeit. · Neben äußeren Faktoren können auch innerverbandliche Prozesse massive Probleme und Veränderungen hervorrufen. Hier ist auch wieder Führung gefragt – vor allem in Bezug auf Moderation und faire Kommunikation. · Letztlich bewegt sich auch ein Verein immer in einem Markt und ist somit abhängig von Angebot, Nachfrage und Trends. Dies gilt sowohl für die Mitgliedergewinnung als auch für die Erschließung finanzieller Ressourcen. Deshalb ist die interne und externe Steuerung und Beeinflussung von Prozessen durch die Verantwortlichen innerhalb eines Vereins wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Auch deshalb ist die Frage der Strukturen, der Hierarchien und Mitgliederstärke relevant. · Es ist wichtig, Sinnstiftung (Vereinszweck) vor individuelle Interessen zu stellen und möglichst viel Beschäftigung mit sich selbst bzw. Interna zu vermeiden. Hier werden ansonsten wesentliche Arbeits-, Zeit- und Geldressourcen verschwendet, die für die eigentliche Kernaufgabe fehlen. · In diesem Zusammenhang muss auch auf interne Gruppenbildungen, starke Eigeninteressen und die natürlichen Profilierungswünsche einzelner geachtet werden. Dies ist nicht prinzipiell negativ, hat aber oft eine starke Eigendynamik, die ebenfalls der Steuerung und Moderation bedarf.
weitere mögliche Fragestellungen und Diskussionsthemen · Wie soll ich denn das auch noch schaffen? – Zeitmanagement für Ehrenamtliche · Strategie und Taktik – gewollte und ungewollte Gruppenbildung innerhalb des Vereins erkennen und mit ihr umgehen · Wem die Stunde schlägt – wann die richtige Zeit zur Umsetzung meiner Interessen und Ziele gekommen ist und wann der Verein gefragt ist, Stellung zu beziehen · Mit Networking zum Erfolg – Kooperationspartner, Verbündete und Helfer finden, erkennen und nutzen; dadurch den Grad der Zielerreichung erhöhen und den eigenen Aufwand minimieren · Mehrwerte – mehr Werte oder nur mehr Arbeit? – Sinn und Unsinn einer Vielzahl von Aktivitäten von Falk Al-Omary, Geschäftsführender Gesellschafter Spreeforum International GmbH |
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